jedermann_1993

"... dann mach ma´s
halt selber!"

Wenn eine Sache mal groß und erwachsen geworden ist, dann stellt sich irgendwann die Frage nach den historischen Wurzeln. Archiv? Ja mei...! Sebastian Feldhofer, der einstens den Haimhauser KulturKreis mitgegründet hatte, muss angezapft werden. Er weiß es noch ganz genau: „Eigentlich ist das Haimhauser Ensemble im Jahre 1993 aus einer Bierlaune heraus entstanden“.

Und das kam so: Die Schauspieler des Münchener Residenztheaters mochten das Stück „Der Jedermann“ in einer Bearbeitung des legendären Autors Felix Mitterer (Fernsehern u. a. durch die „Piefke-Saga“ bekannt) nicht aufführen und rebellierten gegen den Staatsintendanten Günther Beelitz. Die Theaterfreunde suchten nach Alternativen und vor allem eine schnelle Lösung. „Na mach ma´s halt selber“, soll Feldhofer die Spezl-Runde verblüfft haben, „warum net in Haimhausen?“

So kam eins zum andern. Man kannte die jeweiligen Talente, die hochmotivierte Laientruppe war rasch gecastet, das ganze logistische Drumherum in Monate langer Arbeit organisiert und im Haimhauser Schulhof eine Freilichtbühne aufgebaut, die – wie durch ein Wunder – bei den zwei Inszenierungen vom üblichen Sommerregen verschont geblieben ist. Das alles war nicht nur ein Auftakt wie aus dem Drehbuch, sondern auch ein fulminanter Erfolg. Michael Skasa, Theater-Kritiker der eher als distanziert geltenden „Süddeutsche Zeitung“, widmete dieser „bayerischen Erstaufführung“ des „Jedermann“ eine ganze Seite in der Rubrik „Münchner Kultur“.

„Im Kern sind immer noch dieselben Leute dabei“, sagt Sebastian Feldhofer 22 Jahre später. Er war damals schon frisch gebackener Verwaltungschef des Münchner Volkstheaters, was seinen Haimhauser Bühnen-KollegenInnen durchaus zu Gute gekommen sein dürfte. Bei aller Heiterkeit und Unterhaltung waren über die Jahre hinweg immer zwei Werte mit im Spiel: Anspruch und Niveau. Die „Bairische Horror Schau“ aus dem Jahre 2009 zum Beispiel kam so gut an, dass die Leitung des Deutschen Theaters in München während der Umbauphase ernsthafte Engagement-Absichten gefunkt haben soll.

Am Ende blieben die Darsteller dann doch lieber in Haimhausen. Dort können es selbst manche Dauer-Aktivisten nicht fassen („wos, so vui?“), dass die Theater-Gruppe die magische Zahl von insgesamt 60 Aufführungen inzwischen überschritten hat. So steht denn der kommende „Haimhauser Sommernachtstraum“ beinahe unter einer Art  Bühnen-Jubiläum. Viel lieber als das hören die Schauspieler aufmunternde Komplimente ihrer Mitbürger, etwa in der Schlange beim Bäcker: „Hört´s bloß net auf! Wann spuits denn wieder? Und wos?“